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Über 200 Personen besuchten am 12. September den ersten G-Cubes Event im Schloss Köniz. Auf dem Programm stand ein Interview mit Harald Reichenbach und ein Podiumsgespräch mit Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Zum Thema ‚Was ist die Aufgabe der Schweiz zur Rettung der Meere vor Plastikmüll? ’ diskutierten: Nicola von Greyerz, Grossrätin SP Kanton Bern; Judith Schäli, Doktorandin Universität Bern; Kurt Röschli, Geschäftsführer Technik bei Swiss Plastics; Dr. Christian Rytka, Institut für Kunststofftechnik FHNW; Walter Matter, Leiter Entsorgung + Recycling Stadt Bern und Harald Reichenbach, Künstler und Initiant des Projekts G-Cubes. Moderiert wurde der Abend von Gisela Feuz.

 

 

 

Bern Start Event 12.09.17

Am 7. September 2017 in „Der Bund“ Zeitung

Müll wird zu Kunst komprimiert

Der Berner Künstler Harald Reichenbach will mit seinem Projekt einen Beitrag leisten zur Lösung des Plastikmüllproblems im Meer. Demnächst bricht er zu einer Weltumseglung auf.

Ein Einmaster ist es, 14,5 Meter lang und 4,3 Meter breit, es gibt drei Doppelkojen, die Schlafplätze für sechs Personen bieten. «Es wird schon sehr eng werden», sagt Harald Reichenbach, «besonders wenn wir dann mit Vorräten und Trinkwasser auf dem Pazifik länger unterwegs sind.» Dieses Schiff ist aber nicht nur Fortbewegungsmittel und Wohnraum, es dient während 15 Monaten auch als Werkstatt und Lager.

Die letzten drei Wochen hat der 58-jährige Berner Künstler auf dem Mittelmeer verbracht, um sich mit seiner Crew an das Boot zu gewöhnen und zu trainieren für die grosse Weltumseglung im Dienste eines langfristigen, nachhaltigen Müllmanagements. Im Moment gibt er in Marseille einen Workshop am Lycée Arthur Rimbaud. «Es ist ja grundsätzlich ein Projekt, das sich an die kommende Generation richtet», sagt er.

Am 20. September geht es los in Marseille, der in Bern domizilierte Verein G-Cubes hält eine Medienkonferenz ab; tags darauf werden, sofern die Wettervorhersagen gut sind, die Segel gesetzt. Das Schiff wird Teil einer 25 Segelboote umfassenden Flotte sein auf einem vom World Cruising Club organisierten Törn. Der von Harald Reichenbach im September 2014 gegründete Verein G-Cubes will über ein konzeptionelles Kunstprojekt auf den Plastikabfall in den Ozeanen aufmerksam machen und die Verursacher zum Handeln bewegen. «Wir wollen einen Beitrag leisten, der die Lösung des Abfallproblems vorantreibt», sagt Reichenbach. Deshalb mache G-Cubes den Spagat zwischen Kunst und Ökonomie: «Wir sammeln über Kunst Geld für nachhaltige Projekte.»

Am Schluss ein Mahnmal

Und so soll es gehen: Entlang der Segelroute wird regelmässig an Stränden angespülter Abfall gesammelt und direkt vor Ort mithilfe einer mobilen Apparatur gepresst. Die Fundstellen werden fotografisch dokumentiert, die komprimierten Müllwürfel in einem Trocknungsbehälter auf dem Schiff aufbewahrt; jeder Würfel wird mit einer Plakette versehen, auf denen die Koordinaten der Fundstelle sowie eine Nummer stehen. Konserviert wird der Müllwürfel, indem er in einen Kubus aus Harz gegossen wird: einen G-Cube. Diese Kunst aus Meeresabfall hat durchaus eine ästhetische Dimension: Es entstehen hinter «Glas» skulpturale Formationen, schillernde Farbsinfonien oder reliefartige Oberflächenstrukturen.

«Jeder G-Cube ist ein handgemachtes Einzelstück», sagt Reichenbach, der im vergangenen Mai im Rahmen einer Projektwoche mit einer Klasse des Berner Laubegg-Schulhauses bereits Prototypen in der Originalgrösse von 10 x 10 x 10 Zentimetern hergestellt hat. Während der Weltumseglung ist geplant, dass 400 Würfel produziert und unterwegs zum Verkauf angeboten werden. Weitere 1000 Würfel werden für die 2019 geplante Schlussausstellung zurück in die Schweiz geschickt und dort gegossen. «Wir bringen den Abfall zurück zum Verursacher. Die einzelnen Würfel werden zu einem monolithischen Ganzen zusammengestellt», sagt Reichenbach, «es soll ein Mahnmal werden, ein Kubikmeter Müll aus tausend kleinen Müllwürfeln.»

Den Kreislauf schliessen

Die Hälfte des durch den Verkauf eingenommenen Geldes will Reichenbach für Projekte einsetzen, die nachhaltiges Müllmanagement betreiben. «Wir planen nächstes Jahr eine erste Strandräumungsaktion auf den zu Panama gehörenden San Blas Islands in der Karibik, gemeinsam mit der dort lebenden Community der Kuna-Indianer», erzählt Reichenbach.

Den Grundgedanken von G-Gubes, in dessen Beirat unter anderen der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried und Rechtsprofessor Thomas Cottier sind, bringt Reichenbach so auf den Punkt: «Der Müll bezahlt seine Entsorgung. Wenn wir diesen Kreislauf geschlossen haben, sind wir am Ziel.» Die finanzielle Situation des Vereins präsentiert sich allerdings derzeit noch nicht befriedigend. Reichenbach glaubt, dass diverse Absagen von Stiftungen eine Folge der Mehrdimensionalität des Unternehmens seien: «Wir sind mit unserem Projekt zwischen Stuhl und Bank. Kunststiftungen verweisen uns an die Umweltstiftungen; diese wiederum sehen in uns in erster Linie ein Kunstprojekt.»

Der als Kunstmaler bekannt gewordene Reichenbach kam vor einigen Jahren auf einem Segeltörn von Gibraltar in die Karibik erstmals mit der Thematik in Berührung: «Eigentlich wollte ich damals nur Segeln lernen und die Kunst mal einige Zeit ruhen lassen, aber während dieser vier Monate sind wir täglich mindestens dreimal an schwimmenden Plastikabfallinseln vorbeigekommen.» Die Verschmutzung der Meere liess ihn nicht mehr los. Später beobachtete Reichenbach Kinder am Strand, welche die farbigen Plastikpartikel als natürlichen Bestandteil des Sandes wahrnahmen. Die Machtlosigkeit der örtlichen Bevölkerung, die Müllschwemme zu bewältigten, bewog ihn dazu, etwas zu unternehmen.

Abenteuer und Aufklärung

Die Zeit bis zum Start in Marseille gilt es zu nutzen. Kurz kommt Reichenbach noch in die Schweiz, um am kommenden Dienstag im Schloss Köniz an einer Veranstaltung seines Vereins teilzunehmen. Eine begleitende Veranstaltungsreihe soll das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Geplant sind unter anderem Kooperationen mit Energie Recycling Bern (ERB) und eine Putzaktion im Wohlensee. Weiter wird ein Film das Projekt dokumentieren. Ein längerer Dokumentarfilm über das Abenteuer ist ebenfalls in Planung, der 2019 auf SRF ausgestrahlt wird.

Unterwegs sind ebenfalls Events und Ausstellungen geplant, so etwa in Las Palmas auf den Kanarischen Inseln und in Santa Martha an der kolumbianischen Küste. Die Reise wird durch den Panamakanal weitergehen und über den Pazifik an der Nordküste Australiens vorbei in den Indischen Ozean. «Ob wir durch den Golf von Aden und den Suezkanal segeln werden, ist noch offen», sagt Reichenbach. Im Moment seien Abklärungen im Gange, ob diese Route wegen der Hochsee-Piraterie ein zu grosses Risiko berge. Das Ganze sei zweifellos ein Abenteuer, räumt Reichenbach ein. «Aber wir können auch einen Beitrag leisten, indem unser Projekt Aufklärung betreibt und Menschen im Kampf gegen die Verschmutzung unterstützt.»

Start der Event-Reihe und Präsentation des Projekts: 12. September, 19 Uhr, Schloss Köniz. Mehr Informationen: www.g-cubes.com.

(Der Bund)

Erstellt: 07.09.2017, 06:57 Uhr

Abfall sammeln mit Laubegg Schulhaus.

Freitag, 19.05.17

G-Cubes ist ein Projekt aus Müll, deshalb mussten wir zuerst Abfall sammeln gehen. Um nicht selbst Müll herzustellen, gingen wir an die Sense und haben mit Olivia alles eingesammelt, was nicht an diesen Ort gehörte. Da kam erstaunlich viel zusammen. Wir fanden von Blumentöpfen bis Zigaretten alles Mögliche. Zurück im Schulhaus haben wir den Müll ausgeleert, Flaschen aufgeschnitten, Dinge gewaschen und alles zum Trocknen ausgelegt. Glücklicherweise mussten wir unseren Pausenhof säubern, so hatten wir noch mehr Material für unser Projekt. Am Montag haben wir danach richtig gestartet.

Laubegg Schulhaus startete das Projekt G-Cubes

Zusammenschnitt:

Die Klasse 7b vom Laubegg Schulhaus startete das Projekt G-Cubes an einem regnerischen Freitagmorgen mit einer Müllsammelaktion an der Sense. Die Schülerinnen und Schüler waren erstaunt, welche Menge sich in knapp zwei Stunden sammeln lies.

Nach dem Wochenende, an welchem der ausgebreitete Abfall trocknen könnte, ging es dann richtig los.

Engagiert führten die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen die Anweisungen von Harry aus und waren während der ganzen Zeit gespannt, wie es am Ende aussieht. Interessiert besuchten auch andere Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler das Zimmer, in welchem Abfall gepresst, Harz gegossen und Placketten gestanzt wurden.

In der darauf folgenden Woche konnte die Klasse die erarbeiteten Würfel aus der Gussform brechen und das Resultat bestaunen.

Neben den G-Cubes arbeitete die Klasse an eigenständigen Kunstwerken, die sie kreativ aus Abfall herstellte. So entstanden eine riesen PET-Flasche aus vielen kleinen, einen toten Fisch mit Müll im Bauch, zwei Weltkarten eine mit und eine ohne den Menschen, wo die Kontinenten mit Müll bedeckt sind und noch weitere Skulpturen aus zerbrochenen Blumentöpfen.

Neuer Törnplan: Startschuss im 20. September 2017, CNTL, Vieux Port de Marseille.

Die O’Deline wird ab Mitte August im Vieux Port de Marseille liegen. Der Filmer Dodo Hunziker wird ebenfalls vor Ort sein und die letzten Vorbereitungsarbeiten zur Weltumsegelung dokumentieren. Am 20. September 2017 ist es dann endlich soweit. Das Projekt G-Cubes sticht von Marseille aus in See und segelt über Korsika nach Sizilien. Vor den Toren der Stadt Palermo ist in Zusammenarbeit mit einer lokalen Galerie sowie einer Schule eine erste Müllsammelaktion geplant. Es werden öffentlich G-Cubes produziert. Die Vision als Botschafter für den Müll im Meer aufzutreten wird in die Tat umgesetzt. Im Mittelmeerraum sind in Cagliari und in Valencia weitere Aktionen geplant bevor es dann nach Las Palmas de Gran Canaria weitergeht. Die O’Deline wird Ende Oktober auf den Kanarischen Inseln eintreffen, wo sie sich unter 200 anderen Booten der ARC+ 2017 anschliessen wird. Die Arc+ ist eine Rally, welche den Atlantik von Gran Canaria über Kap Verden nach St. Lucia überquert. Am 6. Januar 2018 startet schliesslich die World ARC 2018/19. In 15 Monaten segeln zirka 40 Boote in einer gemeinsamen Flotte einmal rund um den Globus. Dabei bleibt vorläufig noch offen, ob der Schluss der Reise in Marseille oder auf St. Lucia stattfinden wird.

Grüne Geschichte – Alec ist neuer Stapi von Bern

G-Cubes ist stolz und besonders erfreut darüber, dass heute in Bern Geschichte geschrieben wurde. Alec von Graffenried, Mitglied des Beirats von G-Cubes, ist als erster grüner Politiker zum Stadtpräsidenten von Bern gewählt worden. Zumal Alec von Graffenried nebst seinem erklärten Engagement für die Umwelt die Innovation in Kultur und Unternehmertum unterstützt, ist die ideologische Gemeinsamkeit mit dem Verein gegeben. Dass er darüber hinaus als Brückenbauer gefeiert wird, kommt dem konzeptuellen Kunstprojekt des Vereins insbesondere zugute. G-Cubes verfolgt nachhaltige, ökologische Ziele, indem über wirtschaftliche Verbindungen zur Lösung des globalen Abfallproblems beigetragen werden soll.

G-Cubes und Alec haben sich viel zu sagen. Gespannt blicken wir den kommenden Herausforderungen gemeinsam entgegen.

Neues Mitglied des Beirats: Prof. Dr. Thomas Breu

G-Cubes freut sich über ein weiteres Mitglied des Beirats und heisst Prof. Dr. Thomas Breu herzlich willkommen an Bord. Thomas Breu studierte an der Universität Bern Geografie und Volkswirtschaftslehre. Nach einem längeren Auslandaufenthalt in Südostasien koordinierte er den Nationalen Forschungsschwerpunkt Nord-Süd zu Fragen der Nachhaltigen Entwicklung namentlich in Ländern des Globalen Südens. Seit 2010 ist Thomas Breu Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Nachhaltige Entwicklung (CDE) der Universität Bern und leitet eine Internationale Graduiertenschule der Universitäten Basel, Bern und Zürich zu Themen des Globalen Wandels und der Nachhaltigen Entwicklung. Thomas Breu engagiert sich nebst seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit auch in der Beratung von Politik und Administration zu Entwicklungsfragen.

Der Start der Weltumsegelung wird verschoben

Seit Mitte Juli steht die O’Deline in einer Werft in Port Napoléon, um spezifische  Anpassungsarbeiten im Hinblick auf die Weltumsegelung auszuführen. Das  Boot sollte auf die zu erwartenden, besonderen Anforderungen hin aufgerüstet werden. Die Überführung der O’Deline nach St. Lucia, den Startort der World ARC 2017/18, wurde spätestens auf Ende Oktober 2016 angesetzt. Leider konnten die Werftarbeiten bis zu diesem Zeitpunkt nicht fertiggestellt werden. Die Verzögerung hatte zur Folge, dass erstens die Abnahme der Arbeiten nicht hätte ordentlich stattfinden können und zweitens keine Testfahrten hätten durchgeführt werden können. Aufgrund dieser sicherheitstechnischen Argumente wurde deshalb entschieden auf die Teilnahme an der World ARC 2017/18 zu verzichten. Die Weltumsegelung wird folglich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Den neuen Zeitplan gilt es nun innerhalb nützlicher Frist zu definieren. Infolgedessen wird das Projekt G-Cubes ebenfalls Änderungen erfahren. Dadurch entstehen dem Projekt neue Möglichkeiten und Richtungen, die zu prüfen und  posititv zu nutzen sind.

Die vier ersten Mitglieder des Beirats stehen fest

G-Cubes ist stolz die vier ersten Mitglieder des Beirats präsentieren zu können und ist froh gleich solche Persönlichkeiten zu seinem Interessenkreis zählen zu dürfen.

– Prof. em. Dr. Thomas Cottier LL.M, emeritierter Professor in Europäischen und Internationalen Wirtschaftsrecht

– Kathrin Bertschy, Nationalrätin Kanton Bern (glp)

– Nicola von Greyerz, Grossrätin Kanton Bern (SP)

– Alec von Graffenried, Kandidat für Gemeinderat und Stadtpräsidium Bern (GFL)

Der Beirat ist ein Gremimum, das sich aus Experten verschiedener Fachbereiche sowie aus Politikern zusammensetzt. Nebst Netzwerk-Aktivitäten und der Rolle als Botschafter unterstützten die Mitglieder des Beirats G-Cubes in der Auslegung der Debatte um den Müll im Meer. Sie steuern mit ihrem Beitrag die thematische Ausrichtung der Veranstaltungsreihe und insbesondere den Prozess der Lösungsfindung zur Bekämpfung der Problematik.

Die Mehrfachgiessformen sind ready

Die Giessformen für die G-Cubes wurden in Zusammenarbeit mit Stefan von der Plexall GmbH geplant und entworfen. Es entstanden Mehrfachgiessformen aus weissem PE-Kunststoff.  Mit einer Form können zehn G-Cubes gleichzeitig gegossen werden. Insgesamt sind vier solcher Mehrfachgiessformen für die Segelreise hergestellt worden.

Der zeitliche Aufwand für den gesamten Giessprozess beträgt in etwa vier Tage. Anschliessend kann die Form zur Austrocknung (2 – 3 Tage) an Bord des Schiffs geholt werden, wo auch die Entkernung und die Endbearbeitung der G-Cubes erfolgt. Ebenfalls an Bord und in Handarbeit werden vorab die Plaketten zur Identifizierung der einzelnen G-Cubes gestanzt.

Um das gesetzte Ziel zu erreichen, müssen während der 15-monatigen Weltumsegelung insgesamt 400 endgefertigte Würfel produziert werden. Es müssen also pro Monat durchschnittlich 26 Würfel gegossen werden, was mit den Mehrfachgiessformen möglich sein sollte.